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Die Geschichte zu

„Roccosound“


















Heute vor 50 Jahren

Die Erinnerung ist blass, das Gefühl jener Tage noch wach, und da ist auch noch das Programmheft und das Tagebuch aus jener Zeit, der Besetzungszettel eingeklebt: Am 29. Mai 1968 bot das Opernhaus Zürich  eine Vorstellung von Verdis „Il Trovatore“ –  für mich der erste Opernbesuch und ein Schlüsselerlebnis. Heureka! schrieb ich dazu, und nun, 50 Jahre und eine jahrzehntelange leidenschaftliche Beschäftigung mit Opern aller Zeiten und Länder später, stelle ich fest, dass jene Liebe auf den ersten Blick lebt, um nichts geschwächt, sondern vertieft. Gedanken zu „Il Trovatore“ aus jüngerer Zeit, die hier vorgestellt werden, mögen dafür stehen, und zu hoffen ist, dass sie vor der damaligen jugendlich unmittelbaren Begeisterung bestehen können.


Die Programmhefte mit dem Kronleuchter-Sujet haben sich dann angesammelt, Aida, Bohème, Ariadne auf Naxos und so weiter ... das Haus hatte sein Niveau, das zeigt schon der Bühnenbildentwurf zum „Trovatore“, und für die Entdeckung des Kontinents Oper war die Zürcher Bühne mit ihrem breiten Repertoire und vorzüglichen Ensemble ein wunderbarer Ort und ist es, ja doch, über die Jahrzehnte geblieben.









Mit Schall und Rauch

Eröffnungskonzert der Festspiele Zürich in der Tonhalle Maag, 1. 6. 2018


Zum Jubiläum ihres 150-jährigen Bestehens hat die Tonhalle-Gesellschaft die beiden Weltmeister des musikalischen Humors, Igudesman & Joo, mit der Gestaltung der Festspieleröffnung betraut. Diese haben sich ins Zeug gelegt und zwei grosse theatrale Orchesterwerke komponiert. „A Historical and Hysterical Guide to the Orchestra“ lässt mit Witz und Brillanz die Musikinstrumente durch Zeiten und Welten hoch leben; „Clash of the Soloists“ nimmt den Konkurrenz-kampf zweier Klassikstars auf die Schippe, als die Igudesman und Joo in abenteuerlichen Kostümen natürlich selber antreten – mit  akrobatischem Einsatz von Körper und Instrument bis zum Wahnsinn – ein glorioser Abend für das Orchester, das sich nicht schwer damit tut, das E der E-Musik für einmal mit Entertainment zu identifizieren und für einmal nicht nur viel Schall, sondern auch Rauch zu produzieren. Dass der Abend bei allem Witz und Klamauk auch noch die didaktische Vorgabe eines „Guide to the Orchestra“ erfüllt, macht ihn um so attraktiver – auch für Menschen, die bei E-Musik sonst weniger Vergnügen empfinden.


Die Besprechung hier im PDF.

Wetere Bilder hier.

Bild ©  Herbert Büttiker









Ein brillantes Finale

Konzert der Festspiele Zürich in der Tonhalle Maag, 7. 6. 2018


Das letzte Konzert des Chefdirigenten Lionel Bringuier, der sich nach vierjähriger Amtszeit vom Tonhalle-Orchester verabschiedet, erinnerte auch seinen Amtsantritt. Mit von der Partie war wiederum, glamourös, ingeniös und seriös die Pianistin Yuja Wang – diesmal mit einer elektrisierenden Wiedergabe von Sergej Prokofjevs 3. Klavierkonzert.  Bringuier war mit seiner schwungvollen Zeichengebung noch einmal präsent auch in Paradestücken für das Orchester - „Don Quixote“ von Richard Strauss und „La Valse“ von Maurice Ravel.


Zu erleben ist das alles  – mit Ausnahme des Don Quixote, für den Peer Gynt einspringt – heute auch openair auf dem Münsterhof: Die  Einladung des Tonhalle-Orchesters an alle, und – wie gestern zu erfahren war und hier nachzulesen ist – kein leeres Versprechen eines grosses Events.


Die Besprechung hier im PDF

Weitere Bilder: Hier

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Bild ©  Herbert Büttiker









Wo der Wahnsinn zu Hause ist

Gaetano Donizettis „I pazzi per progetto“ im Seefeld Theater, 14. 6. 2018


In Donizettis  einaktiger Farce, deren Handlung in einem Irrenhaus in Paris spielt, gibt es merkwürdigerweise keine Irren. Hier wir der Wahnsinn vorgegaukelt, und zwar - wie der Titel verrät – mit Kalkül. Natürlich ist der Irrsinn gleichsam ein dieser Gattung auch inhärentes Symptom, „addio cervello!“ heisst es schon bei Rossini, und Operngesang an sich ist ja ... nun, überlassen wir das den Spöttern.

Unter der Leitung von Christian Seiler wächst sich Donizettis einaktige Farce „I pazzi per progetto“ zur fast dreistündigen musiktheatralischen Veranstaltung. Im Zeichen des Wahnsinns verbinden sich Opern-, Schauspiel-, Bewegungs-,  Instrumentaltheater – und „nur“ die Musik muss sich dabei arg zerzausen lassen.


Die Besprechung hier im PDF

Aus dem Archive: „Lebenssüchtige Todesbegeisterung“ – Donizetti zum 200. Geburtstag am 29. November 1797: PDF

„I pazzi“ im Opernhaus Zürich, 29. 12. 2011:  PDF

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Bild ©  Rémy Bourgeois









Kammermusikalische Nachtgeschichten

Hauskonzert mit dem Winterthurer Streichquartett, 17. 6. 2018


Programmmusik gehört eher nicht zur zentralen Aufgabe der vier Mitglieder eines  Streichquartetts, aber es gibt die Werke ausserhalb der Norm. Schon bei Beethoven erscheinen rezitativische Formulierungen in der Gattung – berühmt im Opus 135 das „Muss es sein? Es muss sein!“. Im Hauskonzert nun präsentierte das Winterthurer Streichquartett programmatische Kammermusik, die nicht nur die Gattung, sondern auch die Besetzung erweiterten: Arnold Schönbergs Sextett „Verklärte Nacht“, verdoppelt Bratsche und Violoncello (im Bild unten: Blythe Te Engstroem und Flurin Cuonz zwischen ihren Simmenpartnern) und für Othmar Schoecks „Notturno“ trat der Bariton zum Quartett (im Bild oben Michael Nagy, dritter von links zwischen Roberto Gonzalez  Monjas, Jürg Dähler, Cäcilia Chmel und Pär Näsbom ).


Bericht am 20. 6. im „Landboten“ und hier im PDF.



Bilder ©  Herbert Büttiker









Der Sieg der Schönheit - ein Sommermärchen

„Die Schöne und das Biest“ auf der Walensee-Bühne, 20. 6. 2018


Mit einem Traumstart eröffnete das Unternehmen der Walensee-Bühne  am Mittwoch die musikalische Openair-Saison. Das Märchen von der Schönen, die den in ein hässliches Tier verwandelten Prinzen erlöst, bietet in einer deutschen Version aus den 90er Jahren ein bildstarkes, emotional nicht allzu beschwertes und komödiantisch witziges Musical. Für die Darsteller gibt es etliche dankbare Rollen, und das Ensemble nutzt sie im sängerischen un darstellerischen Bereich gleichermassen für ein schönes Bühnenerlebnis.


Premierenbericht hier im PDF


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Bild ©  Herbert Büttiker









Unzweifelhafte Schönheit

Freikonzert des Musikkollegiums Winterthur, 23. 6. 2018


Kit Armstrong spielte mit Roberto Gonzalez Monjas zusammen Beethovens sämtliche Violin-Soanten, er gab ein abendfüllendes Bach-Rezital, er war mit Griegs Klavierkonzert, mit Bachs Brandenburgischen Konzerten zu hören, und am Samstag nun rundete er seine Saison-Präsenz – mit Temperament und feinsinnig im Detail  – ab als Interpret von Beethovens  1. Klavierkonzert. Die Bläsersolisten des Orchester standen zuvor für die Sinfonia Concertante 297b auf dem Podium und spielten so viel Mozart heraus wie in diesem Stück möglicherweise oder möglicherweise nicht drin steckt.


Premierenbericht am 25. Juni im „Landboten“ und hier PDF


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Bild ©  Herbert Büttiker









Ein  Oratorium im liberalen Geist

Friedrich Hegars „Manasse“ in der Tonhalle Maag Zürich, 23. 6. 2018


Es braucht jeweils ein Jubiläum um Friedrich Hegars grosses Oratorium „Manasse“  wieder aus der Versenkung zu holen. Jetzt erinnert die Tonhalle-Gesellschaft an ihre Gründung, zwei Zürcher Chöre und die Zürcher Sympohniker haben das Stück mit biblischem Stoff, aber religionskritischem Gehalt einstudiert und mit den Solisten Marion Ammann, Rolf Romei und Markus Volpert unter der Leitung von Anna Jelmorini erfolgreich aufgeführt.


Besprechung der Aufführung hier im PDF

Aus dem Archiv: Hegars „Manasse“ in der Tonhalle, 1990 im PDF

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Bild ©  Herbert Büttiker









Monteverdis Gegenwartstheater

„L‘incoronazione di Poppea“ im Opernhaus Zürich, 24 6. 2018


Die Oper über den römischen Kaiser Nero war eine der ersten, wenn nicht die erste Oper mit historischem Stoff. Amor, Virtù und Fortuna sind zwar mit im Spiel, aber zur Hauptsache geht es um Sex und Macht, wie in der modernen TV-Serie oder in der Tagesschau. Für Monteverdi war die Oper gewiss ein Spiegel seiner Gegenwart, und als Spiegel unserer Gegenwart inszeniert Calixto Bieito „Poppea“ im Opernhaus, wobei unsere Gegenwart im Unterschied zum Venedig des 17. Jahrhunderts wesentlich in den digitalen Medien stattfindet. Der Bilderrausch aus Werbung, Selbstinszenierung und News prägt den Abend, die Protagonisten profitieren von der Videopräsenz optisch, während akustisch oft Ton und Bild nicht genau übereinstimmen  und den Eindruck musikalischer Unschärfe mit sich bringt. Alles in allem aber ein grosser Abend.


Besprechung der Aufführung hier im  PDF

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Bild ©  Monika Rittershaus









Der Doyen und die junge Meistergeigerin

Konzert des Tonhalle-Orchesters, 27. 6. 2018


Dass eine grosse Formation wie das Tonhalle-Orchester auch ein grossartiges Generationen-Projekt ist, zeigt sich beim Blick in die Runde zwar immer, nun beim letzten Abonnementskonzert aber drastisch beziehungsweise sehr schön. Denn angeführt wurden sie vom 91-jährigen Doyen der Zunft, und die Solistin gehört der Enkelgeneration an. In der Verbindung beider aber blühte die Musik – Mendelssohns Violinkonzert im ersten Teil des Programms. Eine phantastische Aufführung von Mahlers 1. Sinfonie folgte in der zweiten Hälfte – wer heute Donnerstag und morgen Freitag bei einer der weiteren Aufführungen dabei sein kann, erlebt denkwürdige Augenblicke.


Besprechung hier im PDF


Bild ©  Herbert Büttiker









Giacomo Puccinis Oper als Mysterienspiel

„Edgar“ an den St. galler Festspielen, 3. 7. 2018


Später hat sich Puccini realistischer Stoffe angenommen, ob aus dem Pariser Milieu, der jüngeren Geschichte oder aus der exotischen Welt Japans. Sein letztes Werk aber behandelte ein Märchen, und die Inszenierung seiner zweiten Oper rückt diese näher zu „Turandot“ als zur „Bohème“ oder zu „Tosca“. Auch „Edgar“ handelt von einem prinzipiellen Konflikt,  und dieser wird auf dem Klosterhof bildmächtig in Szene gesetzt. Puccinis Musik blüht da mächtig auf.   


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Bild ©  Tanja Dorendorf

Ewigi Liebi auf der griechischen Ferieninsel

„Mamma Mia“ bei den Thuner Seespielen, Vorpremiere, 9. 7. 2018


Die 16. Produktion der Thuner Seespiele ist eine glänzende Synthese aller bisherigen Erfolge zwischen „Titanic“ und „Dällenbach Kari“. „Mamma mia!“ ist einerseits ein internationales Musical-Highlight, und es kommt anderseits auf der Seebühne daher wie hausgemacht, und das mit einheimischen Kräften und auch sehr gut. Das Berndeutsch blüht, die Stimmen blühen, und für die Augen ist die Aufführung eine Pracht zwischen der Postkartenidylle und dem Industriecharm einer griechischen Insel. Auf dieser herrscht Ferienstimmung der stürmischen Art um Mutter, Tochter und drei Vätern zugleich – mit Witz und Herz inszeniert vom „Ewigi Liebi“-Regisseur Dominik Flaschka und seinem hervorragenden Team.  


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Bild ©  Herbert Büttiker

















Apartes Sterben auf den Festivalbühnen

Eröffnung der Bregenzer Festspiele mit „Beatrice Cenci“, 18. 7.  2018


Der grosse Publikumsrenner „Carmen“ erlebt seinen zweiten Sommer auf der Seebühne von Bregenz – und das Geheimnis, wie die Sängerin den Tod ihrer Figur im Wasser überlebt, ist inzwischen mit der Unterwasserkamera gelüftet. Aparte Szenen des Sterbens gibt es auch im Festspielhaus, wo Berthold Goldschmidts Oper „Beatrice Cenci“ am Mittwoch zur Eröffnung der Festspiele Premiere hatte. In der Schlussszene werden Beatrice und ihre Stiefmutter Lucrezia hingerich-tet, weil sie zur Ermordung ihres perversen und tyrannischen Vaters beziehungsweise Ehemannes Graf Francesco Cenci angestiftet haben. Das geschah im Kirchenstaat 1599 ohne Gnade per Henkerbeil, auf der Bregenzer Bühne geschieht es apart per Gifttrank – geschlürft nicht ohne metaphorischen Hintersinn auf dem Beichtstuhl und über gestapelten Leichen. Bildmächtig im Grossen, in die Ferne gerückt im Detail zeigt die Aufführung, dass Goldschmidt mit „Beatrice Cenci“ eine musikalisch lebendige, für jede Zeit aussagekräftige Oper hinterlassen hat.

Wer sich damit befassen möchte, hat noch zwei Termine zur Verfügung, am kommenden Sonntag um 11 Uhr und am 30 Juli um 19.30 Uhr


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Aus dem Archiv: „Der gewaltige Hahnrei“ – Berthold Goldschmidt im Berner Stadttheater, 26. Nov. 1995 – PDF

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Bild © Karl Forster









„Jammervolles Menschentum“

Uraufführung „Das Jagdgewehr“,  Bregenzer Festspiele, 15. 8. 2018 


Der österreichische Komponist Thomas Larcher, international ins Rampenlicht gerückt mit seiner 2. Sinfonie „Kenotaph“, hat im Auftrag der Bregenzer Festspiele seine erste Oper komponiert. Nachdem er die Sinfonie in Gedanken an das Flüchtlingsdrama im Mittelmeer schrieb, fand er für die Oper eine vordergründig undramatische Geschichte in der Novelle „Das Jagdgewehr“ des japanischen Autors Yasushi Inoue – eine Dreiecksgeschichte und intime Familientragödie, die auf der Werkstattbühne grosse Wirkung entfaltete. Ein starkes Sängerteam und das fulminante Ensemble Moderne unter der Leitung von Michael Boder, dazu die Schola Heidelberg wurden ebenso gefeiert wie das Inszenierungsteam um den Opernneuling Karl Markovics.


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Bild © Anja  Köhler


In Luzern spielt die Musik

Sinfoniekonzert des CEO mit Bernard Haitink, Luzern 18. 8. 2018


Ein Jugendorchester auf dem Platz vor dem KKL machte den Auftakt. Das Lucerne Festival zieht seine Kreise über den Konzertsaal hinaus – in diesem Sommer besonders auch unter dem Stichwort „Kindheit“. Das Festivalmotto hat aber auch im Konzertsaal Bedeutung. Allerdings prägte der Altmeister Bernard Haitink mit dem Chamber Orchestra of Europe und der imponierenden Geigerin Alina Ibragimova das erste Sinfoniekonzert am Tag nach der Eröffnung. 


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Bild © Priska Ketterer / Lucerne Festival

In Luzern spielt die Musik (2)

Sinfoniekonzert mit dem Lucerne Festival Orchestra und der Festival Academy 24. / 25. 8. 2018


Wer schon für die Musik von Maurice Ravel und Anton Bruckner in seiner Hörwelt zwei Planeten reserviert hat, fragt sich, wohin er das Fernrohr für das „Genesis“-Projekt zu richten hat, dem er zwischen den beiden Sinfoniekonzerten des Festival Orchestra unter der Leitung von Riccardo Chailly begegnete, dies im Konzert mit dem Ensemble der Festival Academy. Das Lucerne Festival bietet eben musikalischen Genuss und den weiten Horizont für viele Fragen.


Besprechung hier im PDF

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Bilder: © Priska Ketterer / Lucerne Festival

In Luzern spielt die Musik (3)

Konzert der Berliner Philharmoniker  mit Kirill Petrenko  30. 8. 2018


Im ersten der beiden Konzerte waren Strauss und Beethoven angesagt, im zweiten ein Programm mit unbekannteren Werken. Prokofjews 3. Klavierkonzert wurde eingerahmt  mit Musik  von Paul Dukas und Franz Schmidt. Für ausverkaufte Säle ist bei den Berliner Philharmonikern dennoch gesorgt und für grossen Jubel auch. Aber da war ja auch noch die Pianistin Yuja Wang, eine Attraktion für sich, und da war eben auch Kirill Petrenko und mit ihm die Neugier auf die neue Zusammenarbeit – vielversprechend kann man nur sagen, im Konzert vom Donnerstag jedenfalls war eine Dreamteam am Werk.

Davor am Mittag war bei frischem Musizieren mit störenden Nebengeräuschen auch die Zukunft zu befragen: Der junge Starcellist aus England, Sheku Kanneh-Mason,  spielte mit seiner Schwester Isata am Klavier in der Debut-Reihe in der Lukas Kirche.


Besprechung hier im PDF

„Brahms-Hommage“

Musikkollegium Winterthur Saisoneröffnung am 5. 9. 2018 


Johannes Brahms hat den grossen Auftritt in der Saison des Musikkollegiums. Im ersten Abonnementskonzert am 5. September begann der Reigen mit der Aufführung seiner 1. Sinfonie, weitere grosse Werke folgen, und  ende Mai konzentrieren sich die Ereignisse zu einem Brahms-Festival mit allen 4 Sinfonien, den beiden Klavierkonzerten, dem Deutschen Requiem und mehr. Für diese Komponisten-Hommage in der Saison 2018/ 19, die der Chefdirigent Thomas Zehetmair mit „seinem“ Orchester vor hat,  gibt es keine Begründung im Jubiläums-Ritual, weder geben die Lebensdaten von Johannes Brahms (1833–1897) eine runde Zahl her, noch jährt sich die Uraufführung eines herausragenden Hauptwerks – wobei noch die Frage wäre,  was in diesem universellen Schaffen, bei dem nur die Oper fehlt, herauszugreifen wäre. Die Begründung ist eine andere. Sie liegt in der Erkenntnis  der Aktualität, der intellektuellen und emotionalen Kraft dieser Musik und bei einem Dirigenten, der dieser Fülle mit allem Ernst und Können nachspürt und für den Brahms eine Lebensaufgabe ist. Dass das Musikkollegium für ihn ein ideales Brahms-Orchester ist, kommt hinzu.


Beiträge:

Interview im „Landboten“ vom 3. 9. und hier im PDF

Zum Thema. Brahms und die Meininger Hofkapelle:  PDF

Konzertbesprechung  am 7. 9 im „Landboten“ und hier im PDF

Bild © Herbert Büttiker

Jetzt der ganze Brahms  – Mit der Aufführung der 2. Sinfonie von Johannes Brahms gab Thomas Zehetmair vor zwei Jahren seinen Einstand beim Musikkollegium.

Saisoneröffnung im Musikkollegium: Der Weg führt über den roten Teppich und die grosse Portaltreppe hinauf in den Konzertsaal. Es war am Mittwoch der Weg zu einem grossenAbend. – Einer der Glanzpunkte, die Aufführung des Klavierkonzerts Nr. 5 von Ludwig van Beethoven war dem Pianisten Pierre-Laurent Aimard zu verdanken. Eine besondere Pointe war seine Zugabe: Karge Miniaturen für wenige Finger on György Kurtag forderten zu einem stillen Hören auf. –  Applaus für alle: Auch die Kontrabassisten werden gefeiert. (v. o.)


Weitere Bilder in der Chronik hier

Musikkollegium Winterthur:

eine Saison im Zeichen von Johannes Brahms

Bilder © Herbert Büttiker









Slapstick und grosse Arie

Uraufführung „Im Amt für Todesangelegenheiten“,

Luzern / Winterthur, 7./.20. 9. 2018 


Eine wundersame Verwandlung von Todesangelegenheiten in eine Theaterangelegenheit! Oper, Schauspiel und Tanz haben in Klaus von Heydenabers Musiktheater ihre Auftritte im bunten Mix zwischen Slapstick und grosser Arie.


Besprechung in „Der Landbote“ am 12. 9. 2018  und hier im PDF

Bild © Ingo Höhn





Franz Schreker „Die Gezeichneten“

Opernhaus Zürich – Premiere 23. 9. 2018


Das Werk, 1918 uraufgeführt, lockt mit impressionistischer Farbigkeit und heftiger expressionistischer Gestik – es spiegelt den Geist des Fin de siècle wie die Brüche und Aufbrüche der Moderne. Es geht um einen, beziehungsweise den hässlichen Mann. Die Schönen Künste sind eine Fassade. die von den „Gezeichneten“ niedergerissen wird. Barrie Koskys Inszenierung hat dafür eine drastische Bildsprache gefunden. Am Ende steht Alviano selber als plastisches Kunstwerk auf dem Podest: Die unschöne Kunst – ästhetisch freilich auf höchstem Niveau – ist die wahre. Schrekers Analyse männlicher Befindlichkeit und der Geschlechterbeziehungen gehört seiner Epoche an. Alvianos Devise „Die Schönheit sei Beute des Starken“ hat aber auch heute noch ihre Anhänger – Me too lässt es vermuten. Die von der Kritik nicht einhellig begrüsste Zürcher Produktion mag ihre problematischen Seiten haben, aber sie hat vor allem ihre spannenden.


Besprechung hier im PDF.

Zur Wiederaufnahme „Macbeth“:

Prmierenbesprechung: PDF

„Macbeth und der Königsmord“: PDF


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Bild ©  Monika  Rittershaus





Don Juans Bruder

„Fra Diavolo“ mit der Free Opera Company  – Premiere 30. 9. 2018


Fra Diavolo trieb nach seinem Auftauchen um 1830 auf der Pariser Opernbühne über ein Jahrhundert ein intensives Gaunerleben. Da er nicht wie sein Bruder Don Giovanni ein High-Society-Leben führen konnte, musste er vor allem schauen, wie er zu Geld kommt. Aber auch er nutzte Mandoline und Canzone für den Beutefang. Oft bestraften ihn frühere Regisseure dafür mit dem Tod. Bruno Rauch, der ihn jetzt mit der Free Opera Company aus der Totengruft des Repertoires aufgeweckt hat, lässt ihn mit Geld und Schmuck laufen. Recht so. Ein Weiterleben wünscht man auch der Oper von Daniel François Esprit Auber, und der amüsante Opernabend im Seefeld ist ein guter Neustart für sein weiteres Gaunerleben.


Besprechung hier im PDF

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Bild ©  Mirjam Bollag Dondi









Waschpulver und reine Töne

„La Cenerentola“ zu Gast im Theater Winterthur 4. 10. 2018

Premiere in Solothurn am 27. 9. 2018


Für «Cenerentola» ist im Theater Biel Solothurn ein Team am Werk, das sich gewaschen hat. Seine quirlige Rossini-Produktion ist diese Woche zu Gast im Theater Winterthur.  Zum Programm gehört auch Rossinis Schon- und Schleudergang!


Besprechung in „Der Landbote“ am 12. 9. 2018  und hier im PDF

Bild © Konstantin Nazlamov









Grosse Oper im Taschenformat

„Marie Stuart“ von Louis Niedermeyer im Theater Stock,  20. 10. 2018


Der Stoff ist bekannt, die grosse Szene der Konfrontation von Maria Stuart und Königin Elisabeth im Park von Fotheringhay nach Schillers Vorgabe auch in der Oper die zentrale Szene. Donizetti platzierte sie in die Mitte der Oper als grosses Finale des ersten Aktes. Die Oper im Knopfloch hat die völlig vergessene Grand Opéra  von Louis Niedermeyer (1802–1861) aus der Versenkung geholt und präsentiert im Kammertheater  eine Version, die den Showdown in den fünften und letzten Akt verlegt – eine spannende Lektion Musikgeschichte und ein hautnahes Opernerlebnis.


Besprechung hier im PDF

Bild ©  Reinhard Fuchs









Der zeitgenössische Romantiker

Konzert im Musikkollegium vom 24. Oktober 2018


Sofern sich Romantik als unbürgerlich, aussenseiterisch und die Realität hinterfragend versteht, ist sie zeitlos. Für die Musik als Epochenbezeichnung ist Romantik fragwürdig, aber etabliert. Um Musik von Robert Schumann, um Dichter wie Nikolaus Lenau, um Aussenseiter wie Hölderlin oder Walser ist es dem zeitgenössischen Romantiker Heinz Holliger zu tun. Im Musikkollegium weitete er die Szenerie um Schumann, und in den Mittelpunkt rückte er die fesselnde Sopranistin Sarah Wegener – eine romantische Belcanto-Stimme.


Besprechung in „Der Landbote“ vom 26. 10. und hier im PDF

Bild ©  Herbert Büttiker












Wie die Hoffnung stirbt

Verdis „Don Carlo“ im Theater St. Gallen 27. Oktober 2018


Die Opernsaison ist  noch jung. Das Theater St. Gallen lud am Samstag zur ersten Opernpremiere, aber diese  hat das Potenzial, der Beitrag zum Verdi-Theater der Saison zu werden – auch über St. Gallen hinaus. Gespielt wird die vieraktige Fassung als Geschichte aus der Entstehungszeit der Oper, und am Werk ist ein weitgehend hochkarätiges Ensemble. Der neue Chefdirigent von Sinfonieorchester und Theater  St. Gallen, Modestas Pitrenas, bietet mit dem Orchester, Chor und Protagonisten einen  fesselnden  Einstand. 


Besprechung hier im PDF


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Bild ©  Iko Freese









Émilies Traum

„klangundszene“ im Theater am Gleis Winterthur 1. 11. 2018


Rachel Eisenhuts neues Projekt geht unter dem Titel „Histoire naturelle ou la Rêve  d‘Émilie“ der Geschichte des physikalischen Weltverständnisses nach und findet dafür überraschend eine Ästhetik und eine Geschichte. Émilie du Châtelet gilt als die erste moderne Naturwissenschafterin. Sie war 15 Jahre lang die Lebenspartnerin von Voltaire. Eisenhut schickt sie auf eine Zeitreise und fokussiert auf die frühe Moderne, da einerseits musikalisch mit dem Impressionismus eine neue Ära begonnen hatte, und anderseits die Physiker das alte Verständnis der Weltmechanik über Bord warfen – ein faszinierender Abend, aspektreich, optisch reizvoll und vor allem auch musikalisch fesselnd mit suggestiven Klavierwerken und Liedern von Debussy und Ravel.


Besprechung am 3. 11. in „Der Landbote“ und hier im PDF

Bild © Bernhard Fuchs









Eine Hochzeit als folkloristischer Albtraum

„Così fan tutte“ im Opernhaus Zürich 4. November 2018


Der russische Regisseur Kirill Serebrennikov durchlebt, der Staatsmacht und  -willkür ausgeliefert, einen Albtraum, aber er beschäftigt sich im ungewissen  Hausarrest  mi Mozart und seinem unpolitischen Stück „Così fan tutte“, einem Lehrstück in Sachen Liebe, Mann und Frau. Er hat auch Zeit, es sich nicht einfach zu machen und sich vieles zum Thema und zur wunderbaren Musik von Mozart einfallen zu lassen. Die Hochzeit im Finale ist ein surreales Spektakel. Das Opernhaus Zürich zeigt nun seine bildbefrachtete, dramaturgisch vielschichtige Inszenierung, in der vieles aufscheint, die Musik manchmal ein wenig untergeht, und die Frage, worauf die Sache hinausläuft, sich nicht leicht erschliesst.


Besprechung hier im PDF


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Bild © Monika Rittershaus









Ein bekanntes verkanntes Genie

„Les Fées du Rhin“ im Theater Biel Solothurn  7. November 2018


Niemand wird behaupten, dass Jacques Offenbachs Bühnenwerk vernachlässigt wird, seine Operetten geniessen einen Dauerplatz im Repertoire. Und doch ist der grosse Satiriker des Musiktheaters halbwegs verkannt. Seine andere Seite heisst nicht nur „Hoffmanns Erzählungen“. Das Theater Biel Solothurn zeigt mit einer starken Produktion der Oper „Les Fées du Rhin“, wie sehr Offenbach auch ein Mann der  grossen Opernbühne war oder gewesen wäre. Dort fasste er nicht so recht Fuss: Er war ein Opfer seines Erfolgs als Operettenkomponist, aber wohl mehr noch der Hindernisse, die sich ihm entgegenstellten. 


Besprechung hier im PDF


Hintergrund und Dokumentation des Verlags: PDF

Kritik der Schweizer Erstaufführung (2005): PDF


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Bild ©Konstantin Nazlamov


Einsatz für den russischen Bündner

Konzert im Musikkollegium vom 10. November 2018


Das Schweizer Klaviertrio als Partner des Orchesters in einem Tripelkonzert – nicht das bekannte von Beethoven, sondern eines von Paul Juon – eine spannende Alternative, wie die Aufführung klar machte – aber dann kam noch Schuberts grosse C-Dur-Sinfonie ... 


Besprechung hier im PDF

Bild ©  Herbert Büttiker


Der philharmonische Bernstein

Konzert im Opernhaus vom 11. November 2018


Das Konzert zum 100. Geburtstag im Opernhaus war ein grossartiges Orchesterfest. Man glaubte, der Jahrhundert-Musiker  sei persönlich vorbeigekommen.


Besprechung in „Der Landbote“ vom 12. 11. und hier im PDF

Bild ©   pd

Wo die Musik spielt

Der Komponist Alfred Felder wird am 15. November mit dem Carl Heinrich Ernst–Kunstpreis  geehrt


Der Preis wird Alfred Felder für sein grosses Verdienst um das Musikleben in Winterthur zugesprochen. Wir erinnern uns an viele Uraufführungen und Konzerte mit seinen Werken und gratulieren ihm mit einem Album, das Ereignisse in Winterthur, aber auch in Zürich, Frankfurt an der Oder und Berlin dokumentiert.


Im Interview spricht Alfred Felder über  die Inspiration und  wie die Ideen so kommen. Das hat einen Anschein von Leichtigkeit des Künstlerdaseins. Dieser täuscht, denn über das Komponieren hat er auch etwas andres zu berichten: Der Weg von der Musik im  Kopf in die Partitur und die vielen Notensysteme ist schwierig und mit unendlich viel konzentrierter Arbeit verbunden, und noch einmal grossen Einsatz braucht es, bis die Musik dort ist, wo sie spielt. 


Interview in „Der Landbote“ vom 14. 11. und hier im PDF

Zum Album

Bild ©   Herbert Büttiker

Bild ©  Herbert Büttiker

Carl Heinrich Ernst-Kunstpreis

Die Feier für Alfred Felder 


Text der Laudatio von Hans-Ulrich Munzinger hier im PDF


Der Weihnachtsmann mit blutigem Beil

„Hänsel und Gretel“ im Opernhaus Zürich 18. 11. 2018


Schwarzer Humor, Satire auf den Weihnachts-Kommerz – das ist nicht unbedingt das, was man von Engelbert Humperdincks Märchenoper „Hänsel und Gretel“ erwartet. Doch der Regisseur Robert Carsen sucht auf seine Weise nach der Botschaft von Humperdincks Musik – wie er sie findet und ob sie durchdringt, ist die Frage.


Besprechung hier im PDF

Bild ©  Tanja Dorendorf


Madame Butterfly und der Vietnamkrieg

„Miss Saigon“ im Theater 11 Zürich 30. 11. 2018


Der letzte Helikopterflug der Amerikaner trennt Chris und Kim. Er lebt mit Kriegstrauma und Frau in den USA, sie gelangt mit den Boat People, mit ihrer Hoffnung und ihrem Kind nach Bangkok – das Musical „Miss Saigon“ handelt vom Krieg in Vietnam und von der Liebe. Die Tournee-Produktion, die sich weitgehend an die erste Inszenierung von 1989 hält und seit 2014 von London aus unterwegs ist, tut es mit grosser Intensität. 

Besprechung hier im PDF

Bild ©  Johan Persson


Opernkunst vor dem Sündenfall

„Die Entführung aus dem Serail“  im Theater Winterthur 5. 12. 2018

Wenn im Opernhaus Zürich das Deutsche Singspiel ohne Dialoge gegeben wird und die Handlung nur noch mehr oder weniger der Zusammenfassung im Opernführer entspricht,  ist die Frustration mancher Opernbesucher nachvollziehbar. Und dann musiziert dazu auch noch das „historisch informierte Orchester“. Der Wunsch nach einer nicht nur musikalisch, sondern auch szenisch texttreuen Inszenierung mag sich da leicht einstellen. Das Orchester „L‘arte del mondo“ und das Goethe-Theater Bad Lauchstädt zeigen in Winterthur ihre Inszenierung, die sich am Theater des 18. Jahrhunderts orientiert. Die  naive Ästhetik bezaubert, als Gegenmodell zum Regietheater kann man sie aber auch als zu harmlos empfinden. Die  Oper im paradiesischen Zustand ist ebenso wenig zu haben wie die Welt vor dem Sündenfall. Das Gute an der Aufführung aber ist, was das Ensemble im Hier und Jetzt der Aufführung leistet. Der Widerspruch bleibt eben, man hat es mit historischen Werken zu tun, aber die Künstler, die es auf die Bühne bringen, sind Menschen von heute.  


Besprechung am 7. 12. in „Der Landbote“ und hier im PDF (LB) / PDF (Original)

Warum küsst eigentlich Konstanze den Bass Selim? – Zur Figurenkonstellation in Mozarts „Entführung aus dem Serail“: PDF

Bild ©   Peuserdesign

 

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